Header zum Blogbeitrag GPPT Einsatz Afghanistan
Header zum Blogbeitrag GPPT Einsatz Afghanistan
Quelle
Bundespolizei
12.05.21

GPPT: Die Bundespolizei in Afghanistan

In den letzten Wochen haben die Nachrichten darüber berichtet: Die Bundeswehr beendet ihren Einsatz in Afghanistan und wird ihre Truppen bis September 2021 abziehen. Aber nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Bundespolizei beendete am 30. April 2021 einen besonderen Auftrag in Afghanistan. Was hat die Bundespolizei in Afghanistan gemacht?

Seit 2002 unterstützt das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) die afghanische Regierung beim Aufbau einer Polizei, insbesondere im Bereich der Aus- und Fortbildung. Teil dieser Aufgabe war die Entsendung von Bundespolizistinnen und Bundespolizisten, die das dortige Polizeiprogramm German Police Project Team (GPPT) unterstützten.

So konnten über 80.000 afghanische Polizeikräfte ausgebildet und bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben vor Ort begleitet werden. Das Projekt setzte sich auch dafür ein, den Frauenanteil in der afghanischen Polizei zu erhöhen und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern innerhalb der afghanischen Polizei zu stärken. Am 30. April 2021 war es soweit: Nach fast 20 Jahren GPPT verließen die letzten Kollegen der Bundespolizei Afghanistan. Unser Kollege Kilian war für das GPPT im Einsatz und berichtet im folgenden Interview über seine Erfahrungen. 

 

Hallo Kilian, wie bist du zur Bundespolizei und schließlich zum GPPT gekommen?

Mit der Vorstellung von Selbständigkeit, auf der Suche nach Abenteuer und vielfältigen Möglichkeiten bewarb ich mich im Jahre 2004 beim damaligen Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. Mein Interesse an einer Verwendung im Ausland begann 2010 mit der internationalen Polizeiübung „European Union Police Force Training“ in Lehnin/Brandenburg, an deren Ausrichtung ich zwei Monate teilgenommen hatte. Insgesamt 342 Einsatzkräfte aus 15 EU-Mitgliedsstatten und der Ukraine übten die gemeinschaftliche Optimierung der Zusammenarbeit von Polizeikontingenten bei der Erfüllung gemeinsamer Aufgaben im Bereich des zivilen Krisenmanagements. Trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede überwiegte das Gemeinsame. Dieses Gefühl, einer internationalen polizeilichen Gemeinschaft faszinierte mich fortan.

Als Rückführungsbeamter durfte ich eine Vielzahl von Ländern bereisen und meine Erfahrungen vertiefen. Zuletzt war ich zweimal im Rahmen der deutschen Ausbildungs- und Ausstattungshilfe in Bosnien und Herzegowina eingesetzt und bildete hier Einsatzkräfte fort. Als der Wunsch nach einer neuen längerfristigen Aufgabe im Ausland wuchs, bewarb ich mich für das GPPT. Ein beschwerlicher Weg der Auslandsvorbereitung lag vor mir, bis ich endlich den Flieger an den Hindukusch bestieg.

Wie kann man sich das GPPT vor Ort vorstellen?

Das GPPT bestand zuletzt aus Bundes- und Landespolizeibeamten. Gemeinsam lebten und arbeiteten wir in einem stark gesicherten Gebäude im Zentrum von Kabul. Von dort aus bewegten wir uns zu unseren afghanischen Partnern, unterstützten diese im Aufbau einer rechtsstaatlich agierenden Zivilpolizei, führten Trainings- und Fortbildungsmaßnahmen durch und begleiteten unter Anderem den Bau von Checkpoints, Trainingsstätten und zuletzt den Bau eines Dienstgebäudes für ausschließlich weibliche Angehörige der Afghan Border Police.

Was war deine Aufgabe dort?

Vom Zugführer einer Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit aus Berlin wurde ich nach Ankunft in Kabul zum Logistiker am Hindukusch. Hauptsächlich ging es in meiner Funktion darum, meine Kollegen mit dem zu versorgen, was sie zur Erfüllung ihrer jeweiligen Tätigkeit benötigten. In Afghanistan, ein von Krisen geschütteltes Land, geprägt von sicherheitsrelevanten Ereignissen wie Anschlägen, ist beispielsweise die Beschaffung von Material durchaus herausfordernd. Aber eigentlich wird jeder Missionsangehörige in allen Teilbereichen eingesetzt, in denen man einen Beitrag zur Projektverwirklichung leisten kann. Beispielsweise im Bereich Finanzen, als Berater oder als Trainer, um nur einige davon zu nennen.

Bereits seit den 1960er Jahren unterstützt die deutsche Polizei ihre Kolleginnen und Kollegen in Afghanistan. Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass es Programme wie das GPPT gibt?

Aus meiner Sicht sind beispielsweise Projekte wie das GPPT ein Stück Entwicklungshilfe. Die Stärkung bzw. der Aufbau rechtstaatlicher Strukturen innerhalb der afghanischen Polizei kann ein friedliches Zusammenleben der Menschen vor Ort fördern. Denn die facettenreiche Geschichte Afghanistans hat deutlich gezeigt, dass eine ineffektive Sicherheitsstruktur zu Auseinandersetzungen führen kann.    
 

Was habt ihr in den letzten knapp 20 Jahren erreicht bzw. was hat sich aus deiner Sicht aufgrund des Projektes verändert?

Glaubt man, dass man mit der Teilnahme an einer Auslandsmission Großes bewirkt, so scheitert man aus meiner Sicht schon, bevor man das Zielland erreicht hat. Aber bewegt man sich durch das heutige Kabul, so trifft man junge Afghanen die gebildet, positiv ausgerichtet und daran interessiert sind, sich und die Zukunft dieses Landes weiterzuentwickeln. Ich bewerte dies als Erfolg aller internationalen Akteure, auch des GPPT.

Was war das interessanteste Ereignis, das du in Afghanistan erlebt hast?

Neben der eigentlichen Projektarbeit mit der Afghan National Police und der Afghan Border Police haben wir Spenden für die Sanierung einer Mädchen- und Jungenschule gesammelt. Durch großzügige Zuwendungen konnten angemessene Lern- und Arbeitsverhältnisse für die jungen Schüler und Schülerinnen geschaffen werden.

Wie sieht deine Zukunft bei der Bundespolizei aus, wirst du weiterhin ins Ausland gehen?

Nach der Beendigung des Projekts werde ich mich einer neuen Herausforderung als Fachlehrer in einem Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei stellen. Ich beabsichtige, mich erneut für eine Verwendung im Ausland zu bewerben.