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Quelle
Bundespolizei
19.01.21

Karriererückblick mit Ausblick #02

Karriererückblick bei der Bundespolizei: Wir blicken gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen auf eine bewegte Karriere bei Bundesgrenzschutz und Bundespolizei zurück. Wie hat sich der Dienst verändert, was müssen junge Anwärterinnen und Anwärter heute an neuen Qualifikationen mitbringen und was war das spannendste Erlebnis? Die Biographien der gestandenen Kolleginnen und Kollegen geben euch einen Einblick in die vielseitigen Aufgaben der Bundespolizei. Im zweiten Teil unserer Interviewserie beantwortet uns Markus Bierschenk zehn Fragen zu seinem Werdegang in der #Bundespolizeifamilie.

1. Seit wie vielen Jahren sind Sie nun Bundespolizist?

Mein Name ist Markus Bierschenk und am 4. August 1986 habe ich gemeinsam mit 119 weiteren jungen Männern meinen Dienst bei der damaligen Grenzschutz-Ausbildungsabteilung Mitte 1 im oberhessischen Alsfeld angetreten. Das war ein Jahr, bevor der Bundesgrenzschutz (BGS) im damaligen Grenzschutzkommando West die ersten Frauen eingestellt hatte. Seitdem sind 34, höchst abwechslungs- und ereignisreiche Jahre vergangen.

2. Was hat Sie zur Bundespolizei geführt? Und wie sind Sie auf die Bundespolizei aufmerksam geworden?

Ich bin nur einen Kilometer entfernt von der innerdeutschen Grenze aufgewachsen. Wir haben als Kinder mit dem Grenzzaun in Sichtweite Fußball gespielt, Grenzstreifen des BGS und des Zolls gehörten zum täglichen Straßenbild. Ich bin quasi mit dem BGS groß geworden. Mein Onkel war damals Polizeimeister beim Grenzschutzeinzeldienst und hat am Grenzübergang Herleshausen gearbeitet. Also habe ich mich beim BGS beworben mit dem Ziel, nach der Ausbildung ebenfalls an diesem Grenzübergang zu arbeiten, um irgendwann einmal heimatnah als Polizeihauptmeister in den Ruhestand zu gehen. Der Plan ging gründlich daneben – Gott sei Dank, ging er daneben!

3. In welcher Verwendung haben Sie bei der Bundespolizei gearbeitet / arbeiten Sie?

Die Bundespolizei ist eine enorm vielseitige Organisation – ich bin ein sehr neugieriger Mensch und nehme die vielfältigen Möglichkeiten bis heute gerne in Anspruch.
Nach der Ausbildung zum mittleren Dienst war ich zunächst als Hauptwachtmeister in der damaligen Grenzschutzabteilung Mitte 1 in Eschwege eingesetzt. Unser Auftrag war die Überwachung der innerdeutschen Grenze. Nach der Wiedervereinigung bin ich zum Flughafen Frankfurt gegangen. Dort habe ich im mittleren und im gehobenen Dienst aus verschiedenen Perspektiven die Grenzpolizei- und Luftsicherheitsaufgaben kennen gelernt - als Kontroll- und Streifenbeamter, Gruppenleiter, Dienstgruppenleiter und als Sachbearbeiter für Rechts- und Einsatzangelegenheiten.

Während meiner Zeit in Frankfurt hat mich das internationale Flair des Weltflughafens gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. So zog es mich nach dem Aufstiegsstudium für den höheren Dienst ins Ausland, zunächst für eineinhalb Jahre zum German Police Project Team nach Afghanistan und dann für zwei Jahre nach Brüssel. Dort war ich für die strategische Planung von internationalen Polizeieinsätzen der EU zuständig – eine tolle Erfahrung, in Brüssel mit Kollegen aus allen Mitgliedsstaaten zusammenzuarbeiten und tiefe Einblicke in Krisengebiete rund um den Globus zu bekommen. Danach zog es mich ins Bundesministerium des Inneren (BMI) nach Berlin. Dort war ich vier Jahre lang als stellv. Leiter des Referats für internationale grenzpolizeiliche Angelegenheiten eingesetzt.

4. Wie sind Sie zu ihrer heutigen Verwendung gekommen?

Seit September 2017 bin ich nun Referatsleiter für Luftsicherheitsaufgaben im Bundespolizeipräsidium in Potsdam. Wie ich dazu gekommen bin? Das hat sich so ergeben. Ich denke, es war die logische Konsequenz aus meinen bisherigen Verwendungen am Flughafen und im Ausland. Und das Referat 24 war mir nicht ganz unbekannt, denn ich habe Ende 2007/Anfang 2008 zunächst im Aufbaustab des Bundespolizeipräsidiums und dann als Referent für Luftsicherheitsaufgaben die ersten Jahre der neuen Oberbehörde mitgestalten dürfen. Als mir dann die Ausschreibung der Referatsleiterstelle in die Hände viel, dauerte es gefühlte Sekundenbruchteile, bis ich mich zu einer Bewerbung entschloss.

5. Gibt es eine Verwendung, die Sie rückblickend gerne einmal „ausprobiert“ hätten oder noch ausprobieren möchten?

Ja – in den 90er Jahren wäre ich gerne zur Fliegergruppe gegangen. Leider ging das damals wegen meiner Kurzsichtigkeit nicht.

6.Wie hat sich der Dienst und das Leben als Polizist verändert in der Zeit von Ihrer Einstellung bis heute?  War „damals alles besser“?

Es ist nichts mehr so, wie es war. Ich bin froh, damals im „guten alten BGS erwachsen geworden“ zu sein, aber ich sehne mich nicht zurück. Ich habe in meinen 34 Dienstjahren im In- und Ausland viel mit anderen Polizeien und Sicherheitsbehörden zusammengearbeitet und ich bin mir sicher: Die Bundespolizei ist im Jahre 2021 eine der modernsten, vielfältigsten und professionellsten Polizeien der Welt – und sie hat ein Herz. Man kann sich voll einbringen und wenn es mal nicht so gut läuft, fängt einen die Organisation auf.

7. Wie geht Ihre Familie und Ihr Freundeskreis mit Ihrer Berufswahl um?

Es ist nicht immer ganz einfach für die Familie. Man ist je nach Verwendung viel unterwegs, muss häufig auch kurzfristig los und kommt nicht immer pünktlich nach Hause. Ich habe großes Glück: Meine Frau und meine vier Kinder stehen zu 100 % zu mir und meinem Beruf.

8. Auf welchen Augenblick in Ihrer Dienstzeit blicken Sie gerne zurück?

Auf die Jahreswende 1989/90 – das war eine unglaubliche Zeit und ich bin froh, in diesen historischen Tagen hautnah dabei gewesen zu sein. Über den Jahreswechsel war ich in einem behelfsmäßig hergerichteten Container-Grenzübergang bei Wanfried eingesetzt und habe noch heute den Geruch der Zweitakt-Trabbis in der Nase und das Strahlen der Insassen im Auge, wenn ich daran zurückdenke.

9. Gab es besonders schwierige Momente, die Sie begleitet und geprägt haben? Welche?

Während des Afghanistan-Einsatzes war ich mit meinem Team in der Nationalen Polizeiakademie eingesetzt. Unsere Unterkunft, das „Green Village“, lag am anderen Ende von Kabul. An einem Vormittag überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. U.a. gab es mehrere Anschlagsdrohungen gegen die Polizeiakademie. Wir haben dann zunächst über Stunden im sog. „Save Room“ ausgeharrt und dann vor Einbruch der Dunkelheit mit verstärkter Eigensicherung trotz chaotischer Verkehrslage zurück in die Unterkunft verlegt. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als das gesamte Team wohlbehalten im „Green Village“ eingetroffen war.

10. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Das lasse ich ganz entspannt auf mich zukommen. Ganz egal, was noch kommt: Auf jeden Fall bleibt es spannend. Ich freue mich drauf, dabei zu sein, dazu zu gehören und kräftig mit zu mischen!