Blogbeitrag Karriererückblick Sascha
Blogbeitrag Karriererückblick Sascha
Quelle
Bundespolizei
25.01.21

Karriererückblick mit Ausblick #03

Karriererückblick bei der Bundespolizei: Wir blicken gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen auf eine bewegte Karriere bei Bundesgrenzschutz und Bundespolizei zurück. Wie hat sich der Dienst verändert, was müssen junge Anwärterinnen und Anwärter heute an neuen Qualifikationen mitbringen und was war das spannendste Erlebnis? Die Biographien der gestandenen Kolleginnen und Kollegen geben euch einen Einblick in die vielseitigen Aufgaben der Bundespolizei. Im dritten Teil unserer Interviewserie beantwortet uns Sascha zehn Fragen zu seinem Werdegang in der #Bundespolizeifamilie.

1. Seit wie vielen Jahren bist du nun Bundespolizist

Mein Name ist Sascha, ich bin Polizeihauptmeister und seit 2002 bei der Bundespolizei. Das sind mittlerweile fast 18 Jahre, die ich in der Behörde verbracht habe und zu der Zeit, in der ich angefangen habe, hieß die Bundespolizei noch Bundesgrenzschutz.

2. Was hat dich zur Bundespolizei geführt? Und wie bist du auf die Bundespolizei aufmerksam geworden?

Der Polizeiberuf hat mich eigentlich schon immer interessiert. Nur damals waren die Einstellungszahlen bei den Polizeien noch nicht so hoch wie heute, weswegen es etwas schwieriger war, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Ich habe dann zuerst 1996 eine Ausbildung als Industriemechaniker absolviert und bin direkt im Anschluss zur Bundeswehr gegangen.
In meiner Bundeswehrzeit bin ich dann letztendlich auf den damaligen Bundesgrenzschutz aufmerksam geworden. Die Zeit als Soldat war damals sehr begrenzt und in die Laufbahn des Berufssoldaten zu kommen gestaltete sich schwierig. Des Weiteren hat mich der Beruf als Soldat einfach nicht gereizt.
Nach einem Gespräch mit einem Bekannten habe ich mich 2002 im mittleren Dienst beim Bundesgrenzschutz beworben.

3. In welcher Verwendung hast du bei der Bundespolizei gearbeitet / arbeitest du?

Nach Ende der Ausbildung 2004 bin ich zunächst bei der Bundespolizeiabteilung Sankt Augustin in die 2. Einsatzhundertschaft gekommen. Dort nutzte ich dann die Möglichkeit diverse Trainerqualifikationen (z. B. Polizeitrainer, Einsatzmehrzweckstocktrainer, Schießausbilder) zu erwerben und wurde ebenfalls als stellvertretender Gruppenführer eingesetzt.
Später habe ich mich dann bei der Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft (BFHu) beworben und dort erfolgreich die Verwendungsfortbildung absolviert. Nach zwei aufregenden Jahren führte mich mein Weg wieder zurück zur  Einsatzhundertschaft. Doch dies sollte nicht meine Endstation sein.
2011 bewarb ich mich dann bei der Internationalen Einsatzeinheit.

4. Wie bist du zu deiner heutigen Verwendung gekommen?

Da ich schon bei der Bundeswehr Erfahrungen in einem Auslandseinsatz sammeln durfte, wollte ich diese Erfahrungen auch bei der Bundespolizei machen. Mein Interesse galt damals einer Verwendung in Afghanistan. Diesen Wunsch konnte ich mir durch die Zugehörigkeit bei der Internationalen Einsatzeinheit erfüllen und wurde bisher schon drei Mal dort eingesetzt. Natürlich war ich nicht nur in Afghanistan eingesetzt, sondern war in den vergangenen Jahren auch in Ländern wie Griechenland oder dem Kosovo.

5. Gibt es eine Verwendung, die du rückblickend gerne einmal „ausprobiert“ hättest oder noch ausprobieren möchtest?

Die Verwendungsmöglichkeiten in der Bundespolizei sind groß und ich denke, dass für jeden etwas dabei ist, der einen verantwortungsvollen Weg einschlagen möchte. Wenn ich mich umschaue, dann bin ich absolut zufrieden mit den Dingen, wie sie sich in meiner Laufbahn ergeben haben.

6. Wie hat sich der Dienst und das Leben als Polizist verändert in der Zeit von deiner Einstellung bis heute? War „damals alles besser“?

Natürlich ist das Aufgabenfeld der Bundespolizei heute wesentlich größer, als zu Zeiten des Bundesgrenzschutzes. Damals dachten alle, dass der Bundesgrenzschutz nur an den Grenzen steht und im Bahnbereich die Bahngleise überwacht. Heute sind wir eine vielfältige Polizei, die in Großeinsätzen, wie Demonstrationen genauso eingesetzt wird, wie die Polizeieinheiten der Länder. Und das ist ja nur eine der vielen Aufgaben, die wir mittlerweile wahrnehmen. Um den unterschiedlichen Aufgaben gerecht zu werden darf man nicht vergessen, dass die Aus- und Fortbildung wesentlich anspruchsvoller und komplexer geworden ist, um dem Beruf Bundespolizist in all seinen Facetten professionell gerecht zu werden.


7. Wie gehen deine Familie und dein Freundeskreis mit deiner Berufswahl um?

Meine Familie hat meine Entscheidungen immer unterstützt. Ich habe eine handwerkliche Ausbildung gemacht, die ich eigentlich nie machen wollte, da mich die Polizei immer schon interessiert hat. Nichtsdestotrotz habe ich meine damalige Ausbildung besser abgeschlossen als vermutet. Mir standen die Türen offen, mich anschließend für ein Ingenieursstudium im Maschinenbau zu qualifizieren oder mich für eine der vielen Offshore Bohrinseln zu bewerben. Gerade mein Vater hätte es gerne gesehen, wenn ich einen dieser Wege eingeschlagen hätte, aber er hat mir bei all meinen Entscheidungen immer zur Seite gestanden. Und so landete ich über die Bundeswehr schließlich bei einer Ausbildung im Bundesgrenzschutz und bin heute Polizeibeamter bei der Bundespolizei. Ich habe diese Schritte bis heute nie bereut.
Im Freundeskreis findet meine Arbeit Akzeptanz und bei meinen besten und engsten Freunden war mein Beruf sowieso nie ein Problem. Aber es gab auch Momente, gerade zu Zeiten meiner Ausbildung, in denen ich im Bekanntenkreis auch Worte wie ,,Scheiß Bulle“ oder ,,da kommt der scheiß Bulle wieder“ gehört habe. Andere haben das Ganze aber gechillt gesehen, genauso wie ich. Und letzten Endes haben mich die Kommentare auch nicht von meinem Weg abgebracht.

8. Auf welchen Augenblick in deiner Dienstzeit blickst du gerne zurück?

Das kann ich gar nicht wirklich so genau sagen, da es so viele schöne und auch prägende Momente gab. Ich hatte vom Anfang meiner Ausbildung beim Bundesgrenzschutz das große Glück, tolle Menschen um mich herum zu haben. Und das galt über Ausbilder bis hin zu meinen Kollegen, mit denen ich die Ausbildung durchlaufen habe. Und auch heute kann ich einige zu meinen besten und engsten Freunden zählen, weil man einfach zusammenwächst. Das gilt aber auch für den gesamten Weg in der Bundespolizei. Denn irgendwann möchte man sich mal verändern, oder etwas Anderes machen. Man wechselt die Einheiten bzw. die Dienststelle und lernt wieder neue Leute kennen. Es werden immer wieder tolle Menschen den Weg kreuzen, ob bei Ausbildungen, Lehrgängen, oder sogar im Ausland. Dafür bin ich heute dankbar und es ist immer wieder schön, jemanden zu treffen, den man lange nicht mehr gesehen hat. Jeder durchläuft für sich seine eigene Entwicklung und es ist interessant zu sehen, wer so seinen Weg gemacht hat und wohin es ihn verschlagen hat. Und…die Bundespolizei ist klein…man läuft sich immer mindestens zweimal über den Weg!!!
 
9. Gab es besonders schwierige Momente, die dich begleitet und geprägt haben? Welche?

Also wenn ich heute zurückdenke, gab es immer mal schwierige Situationen. Aber das gehört meiner Meinung nach dazu und das wird sich auch für zukünftige Unternehmungen und Entscheidungen nicht ändern. Wenn ich spezielle Momente benennen würde, dann meine Erfahrungen mit den Anschlägen auf unser Camp in Kabul Afghanistan 2019 beim GPPT (German Police Project Team). Keine Erfahrungen, die man machen muss, so viel steht fest, aber dennoch ein sehr prägender Abschnitt meiner Dienstzeit und wahrscheinlich für den Rest meines Lebens. Aber auch da kommt immer wieder das zum Tragen, wie schon oben beschrieben, dass solche Einsätze und auch Erfahrungen mit den Menschen stehen und fallen, die man an seiner Seite hat. Und ich hatte großes Glück, tolle Menschen in diesen Momenten an meiner Seite zu haben.

10. Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Gute Frage… Möglichkeiten gibt es da viele. Gerade in unserer Einheit habe ich viele Möglichkeiten meine Zukunft zu gestalten. Ob in Einsätzen die Verantwortung für meine Kollegen zu tragen, in Ausbildungen unsere neuen und jungen Kollegen zu schulen, oder wieder an einem Auslandseinsatz teilzunehmen. Ich denke, es spielt auch immer eine Rolle des Wohlfühlfaktors, inwiefern man sich verändern möchte. Das ist aber eine Frage, die sich jeder selbst stellen muss.
Ich für meinen Teil fühle mich absolut wohl. Aufgaben gibt es genug zu bewältigen, ich habe tolle Kollegen um mich herum und das Wichtigste, man kommt nicht mit Bauchschmerzen zum Dienst.