Header Blogbeitrag Fussball Interview
Header Blogbeitrag Fussball Interview
Quelle
Bundespolizei
09.12.20

Sport in der Bundespolizei: Fußball

Sportlerinnen und Sportler bei der Bundespolizei: Wie lässt sich eigentlich tägliches Training mit dem Dienst bei der Bundespolizei verbinden und welche Vorteile gegenüber anderen Berufen bringt die Arbeit bei der Bundespolizei mit sich? Im ersten Teil unserer Interviewserie Sport beantwortet uns unsere Kollegin Marina neun Fragen zum Thema Fußball.

1. Wie lange bist du schon bei der Bundespolizei und wieso hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Mein Name ist Marina Himmighofen, ich bin 35 Jahre jung, Polizeihauptmeisterin und habe meine Ausbildung am 01.09.2011 bei der Bundespolizei im Aus- und Fortbildungszentrum Swisttal begonnen. Seit Mai 2014 bin ich Angehörige der Bundespolizeiabteilung Sankt Augustin und somit seit 9 Jahren bei der Bundespolizei.
Ich habe den Polizeiberuf ergriffen, da es viele Parallelen zu meiner sportlichen Tätigkeit als Spielerin der 1. Frauenfußballbundesliga gibt. Dazu zählen Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, sportliche Fitness und ein respektvoller Umgang miteinander.

2. Wie bist du zum Fußball gekommen?

Mein Vater, der damals als Trainer einer Jugendmannschaft tätig war, nahm meine Zwillingsschwester und mich häufig zum Training und zu Spielen seiner Mannschaft mit. Im Gegensatz zu meiner Zwillingsschwester war es um mich geschehen und der Fußball war aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken. Im Alter von 6 Jahren begann ich als einziges Mädchen in der F-Jugend für den SC Weyer zu spielen.

3. Was fasziniert dich daran?
 
Mich fasziniert am Mannschaftsport Fußball, dass im Team das scheinbar UNMÖGLICHE MÖGLICH ist. In meiner fast 20- jährigen Fußballkarriere habe ich zuletzt 5 Mal die Klasse gehalten, obwohl Außenstehende davon überzeugt waren, dass wir das Ziel Klassenerhalt nicht erreichen. Erfolge gemeinsam zu feiern und bei Niederlagen nicht allein zu sein, hilft schneller wieder aufzustehen.

4. In welchem Verein spielst du und auf welcher Position?

Ich bin gelernte Innenverteidigern und war in den letzten Jahren in der Bundesliga als Außenverteidigerin eingesetzt. Für die Polizei - Auswahlmannschaft habe ich aber auch schon im Mittelfeld gespielt.
Im Juli 2018 beendete ich meine Karriere beim MSV Duisburg. Wobei ich in den Saisons 2018/2019 und 2019/2020 in den Winterpausen für jeweils 6 Spiele reaktiviert wurde und wir erfolgreich die Klasse halten konnten.

5. Ist ein regelmäßiges Training mit dem Dienst vereinbar und wie sieht eine typische Trainingswoche aus?

Die typische Trainingswoche setzt sich aus mindestens 4-5 Trainingstagen und einem Spieltag zusammen. Die Trainingseinheiten sind in der Regel in den Abendstunden, sodass ich nach dem Tagdienst in der Hundertschaft auch die Trainingseinheiten am Abend meistens wahrnehmen konnte. Diejenigen, die als Vollprofi tätig sind, trainieren ebenfalls in den Abendstunden und zusätzlich 2-3 Einheiten am Vormittag. Die aktuelle Flyeralarm Frauen - Bundesliga setzt sich aus 12 Mannschaften zusammen. Der Spieltonus ist Heim- und Auswärtsspiele im Wechsel und DFB-Pokal ggf. Champions-League-Spiele.
Was sich am Anfang als etwas schwierig darstellte, war die Vereinbarkeit als Polizistin in der Hundertschaft und Spielerin am Wochenende in der Bundesliga. Der ein oder andere Vorgesetzte konnte sich nicht vorstellen, dass es möglich ist beide Tätigkeiten miteinander zu kombinieren, da man als PVB in der Hundertschaft sehr häufig am Wochenende im Einsatz ist und als Spielerin in der 1. Frauenbundesliga eben auch. Ich konnte aber meine Dienstvorgesetzten davon überzeugen, dass es möglich ist eine leistungsstarke Beamtin im Einsatz zu sein und auch meiner großen Leidenschaft Fußball nachzugehen. Dies gelang nur, da wir in der Frauenbundesliga nicht jeden Sonntag auf dem Platz stehen, da wir insgesamt nur 11 Heim- und 11 Auswärtsspiel haben. Es kam dazu, dass ich samstags als Bundespolizistin bei Fußballspielen eingesetzt wurde und sonntags selbst als Spielerin auf dem Platz stand. Diese Situationen erfordern Organisation und Flexibilität auf beiden Seiten, damit es möglich ist, Sport und Polizeiberuf miteinander zu vereinbaren. Es gelingt nur, wenn man Unterstützung von seinen Vorgesetzten und Kollegen erhält. Deshalb gilt auch ein besonderer Dank meinem Abteilungsführer, der Vertrauensfrau, den Fachwarten Fußball und meinem Zugführer. Ohne Fürsprecher und sportbegeisterte Menschen ist es schwierig Polizeikarriere und sportliche Karriere miteinander zu vereinbaren.

6. Auch bei der Bundespolizei spielt die Arbeit im Team eine zentrale Rolle (#Bundespolizeifamilie). In welcher Verwendung bist du? Wie beeinflusst der Polizeidienst dein Leben als Sportlerin?

Ich bin Angehörige der Bundespolizeiabteilung Sankt Augustin, tätig als Polizeibeamtin in der Gruppe und gelegentlich als Truppführerin eingesetzt. Als Bundespolizistin in der Hundertschaft habe ich die Möglichkeit mich durch Einsatztraining und Polizeisport fit zu halten. Teamorientiertes Handeln, einander unterstützen und sich gegenseitig zu motivieren sind Gründe, warum ich seit 6 Jahren in der Einsatzhundertschaft bin und hoffe, dass noch weitere Jahre folgen.

7. Welchen Moment würdest du als größten sportlichen Erfolg werten und warum?

Es gibt mehre sportliche schöne Momente. Deshalb kann ich nicht nur einen aufführen.
Wie bereits oben erwähnt habe ich mehrmals in letzten Jahren die Klasse mit meinen Mädels gehalten und 2018 mit einem Sieg und als Kapitänin meine Karriere beendet.
Ein weiterer toller Moment war 2010 der Gewinn des DFB - Pokals in Köln vor knapp 23.000 Zuschauern.
Der Titelgewinn der Europapolizeimeisterschaft (EPM) 2016 in Prag und die Qualifikation nach gut 10 Jahren zur Deutschen Polizeimeisterschaft in Eichstätt gehören ebenfalls zu unvergesslichen Momenten.

8. Was war dein bislang schwierigster Moment in deiner sportlichen Karriere?

Der Abstieg in die 2. Bundesliga.

9. Du bist im Frauen-Auswahlteam für die deutsche Polizeimeisterschaft, Glückwunsch! Wie kommt man in dieses Team und was sind deine nächsten Ziele sowohl sportlich als auch beruflich?

Ich bin seit 2013 Spielerin der Polizeiauswahlmannschaft Bund/BKA. Es gibt in der Bundespolizei einen Fachwart im Bereich Fußball, der mich damals anschrieb und mich zum Sichtungslehrgang einlud.
Berufen wurde ich in die Auswahlmannschaft durch die Teilnahme am Sichtungslehrgang. Alle drei Jahre findet eine Deutsche Polizeimeisterschaft (DPM) statt. Aus den 16 Bundesländern und der Polizeiauswahl Bund/BKA werden Gruppen gebildet, die sich für die Endrunde der DPM qualifizieren können. Die Qualifikation erfolgt durch 2 Spiele der zugelosten Gruppe. Der Gruppenerste qualifiziert sich für die Endrunde. Eine weitere Auswahlmannschaft ist die Nationalmannschaft der Polizeien. Die Spielerinnen werden aus den 16 Landespolizeien und der Polizeiauswahl Bund/BKA nominiert und können sich für die alle 4 Jahre stattfindende Europapolizeimeisterschaft (EPM) qualifizieren. Aufgrund der anhaltenden Coronapandemie konnte die diesjährige EPM in Norwegen nicht stattfinden und wurde auf das Jahr 2021 verschoben.
Mein sportliches Ziel ist es, bei beiden Auswahlmannschaften weiterhin im Kader zu stehen und nochmal Europapolizeimeisterin zu werden.
Beruflich strebe ich den Aufstieg in den gehobenen Dienst an.