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Quelle
Bundespolizei
21.12.20

Sport in der Bundespolizei: Karate

Sportlerinnen und Sportler bei der Bundespolizei: Wie lässt sich eigentlich tägliches Training mit dem Dienst bei der Bundespolizei verbinden und welche Vorteile gegenüber anderen Berufen bringt die Arbeit bei der Bundespolizei mit sich? Im dritten Teil unserer Interviewserie Sport beantwortet uns unsere Kollegin Laura acht Fragen zum Thema Karate.

1. Wie lange bist du schon bei der Bundespolizei und wieso hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Mein Name ist Laura Sterr und ich bin seit 2017 bei der Bundespolizei. Während meiner Schulzeit hatte ich bereits ein Praktikum (Panther Challenge in Deggendorf) bei der Bundespolizei und ich war sofort begeistert von diesem Beruf. Ich wusste sofort, dass dies mein Traumberuf ist und ich meinen Sport und das Berufliche vereinen kann. Für mich gab es keinen anderen Beruf, der in meinen Augen so viele Möglichkeiten bietet sich weiter zu entwickeln. Danach habe ich mich auf direktem Weg nach meinem Realschulabschluss bei der Bundespolizei beworben und habe sehr schnell gemerkt, dass dies mein Traumberuf ist.

Ich habe meine Ausbildung im Aus- und Fortbildungszentrum Diez begonnen, im zweiten Dienstjahr kam ich in die Abteilung nach Bad Bergzabern und führte anschließend meinen Laufbahnlehrgang im Aus- und Fortbildungszentrum Swisttal durch. Mit großer Freude ging ich dann an den Frankfurter Flughafen, da ich dort bereits mein Flughafenpraktikum absolviert hatte und ich es als ein sehr interessantes Aufgabengebiet empfand.
Seit März 2020 bin ich nun im Terminal 1 Bereich B.


2. Wie bist du zum Karate gekommen und was genau ist Shito Ryu Shukokai?

Begonnen habe ich mit dem Karatetraining im Alter von 6 Jahren. Bei einer Vorführung von meinen damaligen Trainern im Kindergarten St. Elisabeth in Schönberg entstand der Wunsch, mit Karate zu beginnen. Mich faszinierte die Konzentration, die blitzschnellen Bewegungen und gleichzeitig die Geschmeidigkeit dieser Sportart.
Im Alter von 9 Jahren bekam ich die Chance ins Training der Jugendlichen für Wettkämpfe rein zu schnuppern und durfte dann auf einer niederbayerischen Meisterschaft in Hauzenberg starten. Ich war total motiviert und steckte mir damals schon große Ziele. Für die Weltmeisterschaft 2009 in Waldkirchen stellte mein damaliger Verein ein Show-Team zusammen, mit dem wir bei der Abendveranstaltung auftreten durften. Dies war der Beginn für ein Wettkampfteam des 2. KC Bayerwald.

Wir vertraten den 2. KC Bayerwald erfolgreich auf nationalen und internationalen Wettkämpfen. Seit 2015 bin ich Mitglied im Bundeskader des Shito Ryu Shukokai und durfte an den World Games in
Japan 2016 teilnehmen. 2017 wechselte ich dann zum TV Heddesdorf. Unter „Sifu" Oliver Mainusch (Bundestrainer WKU Formen) trainiere ich und starte auf internationalen Wettkämpfen im In- und Ausland.

Shito Ryu Shukokai ist eine der bekanntesten Stile in der Kampfkunst, man unterscheidet dabei, welche Prinzipien und welche Techniken vermittelt werden. Unterscheiden kann man die einzelnen Stile sehr gut, wenn man einen Blick auf die drei Säulen des traditionellen Karatetrainings wirft:
-    Kihon (Grundtechniken)
-    Kata (festgelegte Formen welche Selbstverteidiungstechniken darstellen)
-    Kumite (Kampf)

Hierbei unterscheiden sich die verschiedenen Ausführungen der Techniken.

3. Es gibt unterschiedliche Arten diesen Sport auszuführen. Was gibt es für Arten und welche magst du am meisten?

Wie erwähnt gibt es Kihon , Kata, Kumite . Ich habe mich vor Jahren dazu entschieden, dem Kata Bereich nachzugehen, da es mich fasziniert, wie präzise und schnell man diese Techniken ausführen kann, aber auch aus wie vielen einzelnen Selbstverteidigungstechniken diese Formen bestehen. Dies kann man dann im Alltag aber auch beruflich sehr gut nutzen.
Zudem habe ich mich vor 5 Jahren mehr für den Waffenkampf interessiert, da ich neue Herausforderungen immer gut finde und stetig an mir arbeiten will. Folglich habe ich dann angefangen mit dem sogenannten Bo (ein Holzstock) zu kämpfen.

4. Du warst bis vor kurzem noch in der Ausbildung. Wie hast du dich in der Ausbildung auf deine Wettkämpfe vorbereitet? Wie sieht eine typische Trainingswoche im aktuellem Schichtdienst am Frankfurter Flughafen für dich aus?

In der Ausbildung konnte ich mich noch sehr gut auf die Wettkämpfe vorbereiten, da ich nach dem Dienst sofort ins Training ging und abends, nachdem das Training zu Ende war wieder in die Unterkunft gefahren bin, dort ging es dann weiter mit Lernen, da ich die Ausbildung erfolgreich abschließen wollte. Im 3. Dienstjahr habe ich aufgrund des Laufbahnlehrgangs und der anstehenden Prüfungen schweren Herzens gesagt, dass ich nicht zur Weltmeisterschaft mitfahre, da ich mich voll und ganz auf die Abschlussprüfungen konzentrieren wollte.
Mittlerweile ist das Training durch Corona nur noch bedingt möglich, allerdings übe ich so gut wie jeden Tag meine Formen und halte mich körperlich fit damit ich, falls die Saison wieder anfängt, wieder mit voller Energie starten kann. Während des Schichtdiensts ist es sehr schwer diese Disziplin einzuhalten und sich zu motivieren, dennoch trainiere ich weiterhin fleißig an meinen freien Tagen.

5. In einigen Verwendungen der Bundespolizei spielt die körperliche Fitness eine zentrale Rolle. In deiner Sportart übst du regelmäßig verschiedene Techniken und Griffe aus und musst dementsprechend vielseitig fit sein. In welcher Verwendung bist du? Wie beeinflusst der Polizeidienst dein Leben als Sportler und hattest du im Einsatztraining einen klaren Vorteil?

Meine derzeitige Verwendung ist als Kontroll- und Streifenbeamtin am Flughafen. Natürlich wird man hier nicht jeden Tag mit Widerständen konfrontiert und kann somit auch nicht seine sportlichen Vorteile anwenden, dennoch hatte ich im Praktikum am Koblenzer Hbf schon einige Situationen, in denen ich von meinen Technikkenntnissen profitieren konnte. Deshalb hat es mir dort auch sehr viel Spaß gemacht.
Im Einsatztraining in der Ausbildung kam mir meine Sportart sehr zugute, da man immer wieder merkte wie viele Verknüpfungen es doch gibt. Daher fiel es mir sehr leicht den Anweisungen der Ausbilder zu folgen und am Ende auch eine sehr gute Prüfung im Einsatztraining abzulegen.

6. Welchen Moment würdest du als größten sportlichen Erfolg in deiner Karriere werten und warum?

Meinen größten Erfolg durfte ich im Jahre 2016 erfahren, da ich dort überraschend zur Weltmeisterschaft nach Orlando (USA) mitfahren durfte und unter der Leitung meines Trainers Oliver Mainusch (Bundestrainer) meinen ersten WM Sieg mit nach Hause nehmen durfte. An diesem Tag habe ich mein erstes WM Gold in der Kategorie: traditionelle Formen, weiblich, 13-17 Jahren geholt.
Viele schweißtreibende Trainings, in denen man manchmal kurz vor der Verzweiflung stand hatten sich endlich gelohnt und ich konnte auch die darauffolgenden Jahre meinen Weltmeistertitel verteidigen.
Dies ist einer der schönsten Momente in meinem Leben, wenn sich Schweiß, Ehrgeiz, Disziplin und Zielstrebigkeit am Ende auszahlen.

Zudem war es ein sehr bereichernder Moment, als ich von der Bundespolizeiakademie in Lübeck zur besten ungeförderten Sportlerin geehrt wurde. Dabei durfte ich auch die Olympiasportler der Bundespolizei kennenlernen.

7. Was war dein bislang schwierigster Moment in deiner sportlichen Karriere?

Der bisher schwierigste Moment war es und wird es auch immer sein, an sich weiter zu arbeiten und nie den Kampfgeist zu verlieren. Aber vor allem auch, sich mal mit einem zweiten Platz zufrieden zu geben.

8. Wo siehst du dich in 5 Jahren bei der Bundespolizei und wo in 5 Jahren im
Karate?

Zunächst will ich meiner Tätigkeit am Frankfurter Flughafen nachgehen um dort Erfahrungen für meine weitere Laufbahn zu sammeln. Da die Möglichkeiten bei der Bundespolizei nahezu unendlich sind, stehen einem alle Wege offen und dies nehme ich auch sehr gerne in Anspruch.
Familiär bedingt wäre eine Stelle am Hauptbahnhof Koblenz eine Überlegung wert, dennoch möchte ich meinen Sport weiterhin ausüben. Eine Verwendung in einer der Sportschulen wäre das ideale Sprungbrett, um meine Sportkenntnisse weiterzugeben und parallel meinen Weltmeistertitel zu verteidigen.
Auch eine Verwendung als Ausbilderin für Einsatztraining in einem Aus- und Fortbildungszentrum wäre eine gute Möglichkeit, um meine Erfahrungen weiter zu geben.