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Quelle
Bundespolizei
15.12.20

Sport in der Bundespolizei: Trailrunning

Sportlerinnen und Sportler bei der Bundespolizei: Wie lässt sich eigentlich tägliches Training mit dem Dienst bei der Bundespolizei verbinden und welche Vorteile gegenüber anderen Berufen bringt die Arbeit bei der Bundespolizei mit sich? Im zweiten Teil unserer Interviewserie Sport beantwortet uns unser Kollege Hannes neun Fragen zum Thema Trailrunning.

 

1. Wie lange bist du schon bei der Bundespolizei und wieso hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Ich bin Hannes Namberger, seit 2005 bei der Bundespolizei und war zunächst bis 2011 als Skirennläufer in der Spitzensportförderung an der Bundespolizeisportschule Bad Endorf.

Der Grund für meine Berufswahl war, dass ich bei der Bundespolizei neben dem Leistungssport eine Ausbildung machen konnte und dabei die Sicherheit hatte, nach meiner sportlichen Karriere direkt in den „normalen“ Polizeidienst wechseln zu können.


2. Wie bist du zum Ultratrailrunning gekommen?

Zum (Ultra-)Trailrunning bin ich eher zufällig gekommen. Anfangs war ich zum Klettern und Laufen, aber auch generell einfach viel in den Bergen unterwegs. Nach und nach wurde ich dabei immer schneller, die Distanzen länger und die Ausrüstung immer leichter.

Im Jahr 2015 habe ich dann vom Karwendelmarsch gehört, mich direkt angemeldet und fleißig dafür trainiert. Ich hatte in meinem Leben ja schon immer sehr viel Sport gemacht und wusste, dass ich den Wechsel vom Skisport zum Laufsport schaffen kann.

Spätestens als ich beim Karwendelmarsch (52 Kilometer, 2.281 Höhenmeter) durchs Ziel gelaufen bin, stand fest, dass Trailrunning mein neuer Sport wird und ich da noch einiges rausholen kann.

 

3. Was fasziniert dich daran?

Für mich ist es der natürlichste und einfachste Sport zugleich, vorausgesetzt man hat Berge vor der Haustür. Alles was ich benötige, sind gute Laufschuhe, Sportklamotten und los geht’s. Einfach raus in die Berge und Spaß haben. Die ständig wechselnden Bedingungen, steile technische Anstiege und Downhills machen diesen Sport so besonders. Für mich ist es ein Genuss, bei jedem Wetter in der Natur unterwegs zu sein.


4. Trailläufe zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist länger als eine Marathondistanz sind, zudem spielen hier die überwundenen Höhenmeter natürlich noch eine große Rolle. Welche Distanzen legst du regelmäßig zurück?

Im Wettkampf laufe ich Distanzen zwischen 50 und 110 km mit 3.000-6.500 Höhenmetern. In der nächsten Saison wird es aber nochmal länger.

Im Training bin ich mindestens zwölf und maximal 50 km unterwegs. Damit komme ich regelmäßig auf ein wöchentliches Trainingspensum von bis zu 140 Laufkilometern mit 6.000 Höhenmetern.


5. Wie bereitest du dich auf derartige Trailrunning-Wettkämpfe vor? Wie sieht eine typische Trainingswoche für dich aus und wie ist es mit dem Dienst vereinbar?

Da ich im Schichtdienst arbeite, ist bei der Wettkampfvorbereitung schon etwas Organisationsgeschick gefragt. Nach 12 Stunden Dienst bleibt schließlich nicht mehr so viel vom Tag, wie das vielleicht in anderen Berufen sein mag.

Deshalb stehen bei mir nach Tagschichten nur kurze Einheiten von 60-80 Minuten auf dem Programm. Vor Nachtschichten bin ich maximal drei Stunden unterwegs, muss danach allerdings immer einen kurzen „Power Nap“ einplanen – sonst kann so ein Nachtdienst nämlich ziemlich lang werden.

Der Wechselschichtdienst hat allerdings den entscheidenden Vorteil, dass man vergleichsweise lange frei hat. An meinen freien Tagen habe ich genügend Zeit für meine langen Bergläufe und zur Regeneration. Einen trainingsfreien Tag pro Woche gönne ich mir aber auch in der Wettkampfvorbereitung.

 

6. In welcher Verwendung bist du? Wie beeinflusst der Polizeidienst dein Leben als Sportler und hast du dich bewusst für eine Dienststelle in einer Bergregion entschieden?

Ich bin als Kontroll-/ Streifenbeamter bei der Bundespolizeiinspektion Freilassing eingesetzt. Als Ruhpoldinger bin ich praktisch in den Bergen aufgewachsen und habe optimale Trainingsbedingungen direkt vor meiner Haustür.

Dass ich im 40 Kilometer entfernten Freilassing arbeiten kann, passt da natürlich hervorragend. Da ich meine Profikarriere im Ski Alpin vor ein paar Jahren leistungs- und verletzungsbedingt beenden musste, bin ich heute sehr glücklich, sozusagen nebenberuflich immer wieder sportliche Erfolge feiern zu können.


7. Welchen Moment würdest du als größten sportlichen Erfolg in deiner Karriere werten und warum?

Obwohl die Wettkampfsaison dieses Jahr schon sehr speziell war, konnte ich 2020 zwei perfekte Rennen laufen. Mein persönliches Highlight war dabei mein Sieg über die „Königsdistanz“ beim Pitz-Alpin-Glacier-Trail im Tiroler Pitztal.

Ich hatte mich erst fünf Tage vor dem Start spontan entschieden, die Ultradistanz über 106 km und 6.100 Höhenmeter zu laufen und war vor dem anspruchsvollen Rennen tatsächlich recht entspannt. Schließlich hatte ich mich dafür nicht speziell vorbereitet und wollte stattdessen einfach mal sehen, was über so eine Distanz drin ist.

Letztendlich lief ich mit über zwei Stunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten durchs Ziel, stellte einen neuen Streckenrekord auf und erzielte zugleich einen neuen deutschen Rekord in der Punkteweltrangliste.


8. Was war dein bislang schwierigster Moment in deiner sportlichen Karriere?

Abgesehen von meinem ungeplanten Karriereende im alpinen Skisport war im Trailrunning bislang der Transvulcania 2019 auf der Kanarischen Insel La Palma die härteste Prüfung meiner sportlichen Karriere.

Das Rennen ging über 74 Kilometer mit mehr als 4.000 Höhenmetern und ich hatte mich bis Kilometer 30 ziemlich abgeschossen. Meine Beine waren wirklich komplett im Eimer, aber ich wollte unbedingt ins Ziel und mein bisheriges Tempo irgendwie durchziehen.

Auf dieses Rennen bin ich besonders stolz, da ich mich bis zum Schluss durchgebissen habe, obwohl ich körperlich schon auf halber Strecke ziemlich fertig war. Und die Schinderei hat sich am Ende dank Top-10-Platzierung definitiv gelohnt.

Meine „Leidensgeschichte“ beim Transvulcania-Ultramarathon 2019 ist als ZDF Sportreportage auf YouTube unter „Schinderei auf dem Rücken des Vulkans“ abrufbar.


9. Wo siehst du dich in 5 Jahren bei der Bundespolizei, wo in 5 Jahren im Trailrunning?

In fünf Jahren sehe ich mich nach wie vor als Kontroll-/ Streifenbeamter bei der Bundespolizeiinspektion Freilassing.

Für das Trailrunning habe ich mir in den nächsten Jahren ambitionierte Ziele gesetzt und hoffe, dass ich die bis dahin erreicht habe – z.B. eine gute Platzierung beim Ultra Trail Mont Blanc im französischen Chamonix (171 km, ~10.000 Höhenmeter).