Bundespolizei-Flugdienst

Bundespolizei-Flugdienst

Job mit luftiger Perspektive: Die Bundespolizei-Fliegergruppe
„Fliegen macht süchtig“

Lisa war sich nicht sicher. Als die bayerische Schwäbin mit ihrem Bundespolizei-Studium für den gehobenen Dienst begann, wusste sie vor allem, dass sie technisch interessiert ist. Aber beruflich Hubschrauber fliegen? Darüber hatte sie so noch nicht nachgedacht. Während eines Praktikums erzählte ihr ein Mitglied der Fliegerstaffel Oberschleißheim von den Tätigkeiten im Flugdienst und ermunterte sie, sich doch zu bewerben. Nach Diplomabschluss und Ausbildung zur Hubschrauberpilotin hebt die 27-Jährige jetzt für die Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim ab – und berichtete im Interview über harte Prüfungen und spannende Einsätze.

Lisa, du bist jetzt seit Juli 2012 Hubschrauberpilotin. Welche Erinnerungen hast du an deinen ersten Flug?

Das war im Oktober 2010 beim Auswahlverfahren für die Pilotenausbildung.

Lisa

Ich war ziemlich aufgeregt, denn ich musste innerhalb von 30 Minuten mit zwei Maschinen fliegen. Neben mir saß jeweils ein Fluglehrer und ich sollte zusätzlich zum Schweben mit dem Hubschrauber die Werte auf den Bordinstrumenten ablesen und über Funk Fragen beantworten – eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für einen Fluganfänger.

Haben dich die harten Aufnahmeprüfungen nicht abgeschreckt?

Zunächst schon, aber wenn man es nicht versucht, dann wird man nie erfahren, ob man es geschafft hätte. Doch, dass sowohl das Auswahlverfahren als auch die 20-monatige Ausbildung sehr anspruchsvoll sind, ist kein Geheimnis. Allerdings muss man kein Übermensch sein, um es zu schaffen. Wer Pilot werden will, braucht unter anderem Koordinations- und Multitaskingfähigkeiten, räumliches Denkvermögen, technisches Grundverständnis und Teamfähigkeit. Vieles kann man trainieren.

Mittlerweile fliegst du regelmäßig Einsätze. In welchen Fällen hebst du mit „deiner“ Crew ab?

Derzeit habe ich Dienst auf den Stützpunkten Schwandorf und Donaueschingen, aber auch Nachtschichten in Oberschleißheim. Von dort aus übernehmen wir Grenz- und Bahnüberwachungsflüge. Das heißt: Wir sorgen z.B. für die Sicherheit auf den Zugstrecken. Oft als präventive Streife, aber auch nach Alarmierung bzw. auf spezielle Anforderung. Beispielsweise hatten Unbekannte auf einer Strecke wiederholt Gegenstände auf die Schienen gelegt, regelmäßig werden aber auch Buntmetalldiebstähle an Bahntrassen gemeldet. In solchen Fällen ist es unsere Aufgabe, die Strecke gezielt zu bestreifen, um die Täter zu identifizieren. Später kommen dann Flüge im Rettungsdienst und irgendwann auch mit größeren Maschinen dazu.

Du hast dich erst während des Studiums für das Fliegen entschieden. War es im Nachhinein die richtige Entscheidung?

Ja, das war es. Natürlich gibt es Momente, in denen ich denke: „Mensch, du bist schon wieder ganz schön weit weg von zu Hause.“ Aber das vergeht auch wieder. Bevor ich angefangen habe hat mich jemand gewarnt, dass Fliegen süchtig macht – und er hatte recht. Wenn ich länger Urlaub habe und einen Hubschrauber sehe, zieht es mich sofort zurück ins Cockpit. Freiwillig gebe ich den Job also nicht mehr her.


Die Aufgaben der Bundespolizei-Fliegergruppe im Überblick

Die Einsatzfelder der Polizeihubschrauber des Bundes sind vielfältig: Sie umfassen unter anderem die Überwachung der Grenzen, einschließlich des Küstenmeeres im Bereich der Nord- und Ostsee, die Überwachung der Bahnanlagen aus der Luft, den Transport von Polizeikräften bei Großeinsätzen, die Unterstützung anderer Bundes- und Länderbehörden, die Hilfe bei schweren Unglücks- und Katastrophenfällen im In- und Ausland, den Luftrettungsdienst sowie die Beförderung von sicherheitsgefährdeten Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs des Bundes und der Länder sowie von Staatsgästen der Bundesregierung. Aufträge aus diesem VIP-Bereich führten die Hubschrauber der Bundespolizei bis nach Kaliningrad (Russland) und Lvov (Ukraine). Auch seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. war bei seinen drei Besuchen in der Bundesrepublik Deutschland "Fluggast" der Bundespolizei. Als besonderer Meilenstein in der Chronik der Bundespolizei-Fliegergruppe gilt der Auslandseinsatz zur humanitären Hilfe der Bundesregierung in Mosambik im März 2000.