Instagram-Interview mit Polizeihauptkommissar Ronny

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Ronny ist bei der Bundespolizeiinspektion Münster als Ermittlungsbeamter und Kriminaltechniker tätig. Für diesen Aufgabenbereich braucht man nicht nur eine akribische Arbeitsweise, sondern muss manchmal auch um die Ecke denken können. Im Interview hat uns Ronny erzählt, was die Arbeit in der Kriminalitätsbekämpfung bei der Bundespolizei so besonders macht.

Hallo Ronny, wie bist du in der Kriminalitätsbekämpfung gelandet? Waren dafür spezielle Aus- und Weiterbildungen notwendig?

„Wie alle Bundespolizisten habe ich zunächst die Ausbildung absolviert. Danach habe ich mich beim Ermittlungsdienst beworben, weil ich mich sehr für den Bereich interessiert habe. So bin ich zur Kriminalitätsbekämpfung gekommen. Durch verschiedene Fortbildungen habe ich mein Fachwissen in diesem Bereich erweitert. In der Ausbildung gibt es auch das Unterrichtsfach Kriminalistik. Auf diese Weise kann man schon mal theoretisch und praktisch in die Ermittlungsarbeit reinschnuppern.“

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Unter „Bereitschaftspolizei“ oder auch „Reiterstaffel“ können sich die meisten etwas vorstellen. Der Aufgabenbereich „Kriminalitätsbekämpfung“ ist da schon etwas spezieller. Kannst du uns verraten, wie genau deine Aufgaben dort aussehen?

„Die Kriminalitätsbekämpfung bei der Bundespolizei umfasst ganz verschiedene Bereiche, in denen man mehr oder weniger persönlichen Kontakt zu Tätern, Opfern und dem Fallinhalt hat. Es gibt Fahndungseinheiten, Ermittlungsdienste, Urkundenprüfer und Kriminaltechniker. Jeder hat seine speziellen Aufgaben.

Als Ermittlungsbeamter kümmere ich mich unter anderem um Fälle von Sachbeschädigung oder Körperverletzung, zum Beispiel im Zuge eines Fußballspiels. Aber auch die Unfallermittlung bei einem Bahnunfall, gehört zu meinen Aufgaben. Ich führe mit meinen Kollegen auch mal eine Hausdurchsuchung durch oder einen Tatverdächtigen dem Richter vor.

Bei der Kriminaltechnik wiederum habe ich weniger mit den am Fall beteiligten Personen zu tun. Dort sind meine Hauptaufgaben die Spurensuche und -bearbeitung sowie die Tatortaufnahme. Das heißt, ich beurteile, ob ich eine Spur selber untersuchen und sichern kann, zum Beispiel auf Fingerabdrücke, oder ob diese an die kriminaltechnischen Dienste weitergeleitet werden muss.“

Gibt es einen Fall, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

„Es gibt viele kuriose und spannende Fälle. Für mich sind Bahnbetriebsunfälle immer besonders interessant. Es ist schon beeindruckend, wie Kraft wirken kann, wenn auf einmal, was früher mal ein Zug war, nur noch ein großer Haufen Schrott ist. Wir versuchen dann herauszufinden, wie es dazu kam. Im Winter 2009 zum Beispiel verunglückte ein Zug in Neubeckum. Er wurde förmlich auseinandergerissen und die Trümmer lagen auf zwei Kilometer verteilt.“

Fällt es da manchmal schwer Abstand zu dem Erlebten zu bewahren oder nimmt man die Fälle schon mal gedanklich nach Feierabend mit nach Hause? Ist man ständig auf Abruf?

„Ich kann da ganz gut abschalten. Bei großen und kniffligen Fällen denkt man natürlich manchmal auch Zuhause noch darüber nach. Aber es ist wichtig Freizeit und Arbeit zu trennen. Auch wenn es immer sein kann, dass man in seiner freien Zeit zu einem Einsatz gerufen wird. Allerdings kommt das in meinem Bereich nicht sehr häufig vor. Normalerweise arbeite ich von Montag bis Freitag, wobei ich mir die Arbeitszeit bis zu einem gewissen Grad selber einteilen kann – ich kann mal früher gehen und muss mal länger bleiben. Neben der Arbeit trainiere ich eine Fußballmannschaft. Es bleibt also genügend Zeit für Hobbys.“

Apropos Freizeit: Guckt man sich als Ermittler überhaupt Krimis im Fernsehen an?

„Klar schaue ich zum Beispiel mal gerne den ‚Tatort’ – auch wenn der natürlich in erster Linie unterhalten soll und vieles unrealistisch ist. Dennoch kann auch ein „Tatort“ ein kleiner Ideengeber sein, zum Beispiel bei der Tatortaufnahme. Der wesentlichste Unterschied zwischen dem ‚Tatort’ und der realen Ermittlungsarbeit ist der deutlich geringere Papierkram im Fernsehen. Zu guter Ermittlungsarbeit zählt im echten Leben natürlich auch das Festhalten jeder Ermittlungshandlung, um Tatbestände beweissicher zu machen. Nur so kann ein Täter vor Gericht gestellt werden. Für mich sind die schriftlichen Berichte daher sehr wichtig, damit das Tatgeschehen vor Gericht nachvollziehbar ist.“

Zusammengefasst, was ist das Besondere an deinem Job?

„Jeder Fall muss ganz individuell angegangen werden. Ich muss mich immer wieder neu in den Täter hineinversetzen – besonders bei der Tatortaufnahme. Das heißt, ich muss mir überlegen, was könnte der Täter wie gemacht haben und wo könnte ich Spuren finden. Der Ablauf ist zwar ähnlich, doch jeder Täter verhält sich anders, sodass Befragungen und Vernehmungen immer anders sind. Dadurch bleibt der Beruf sehr abwechslungsreich und wird nie langweilig.“

Kannst du angehenden Bundespolizisten empfehlen, im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung tätig zu werden? Welche Eigenschaften müssen Bewerber deiner Meinung nach dafür mitbringen?

„Wenn man sich für die Kriminalitätsbekämpfung interessiert, sollte man das Ziel unbedingt verfolgen. Es werden immer junge Ermittlungsbeamte gesucht. Besonders wichtig für die Arbeit sind eine selbstständige Arbeitsweise, ein gesundes Selbstvertrauen und Kommunikationsfähigkeit. Außerdem kreatives Denken, um einen Tatort von verschiedenen Seiten beleuchten zu können, und natürlich ist der Umgang mit dem Computer fest im Arbeitsalltag verankert.“

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