Instagram-Interview mit Polizeiobermeister Erkan

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Erkan arbeitet seit 2011 als Bundespolizist am Münchener Hauptbahnhof. Für den Einsatz am Bahnhof braucht man manchmal ein dickes Fell. Im Interview erzählt er uns, von seinen Aufgaben und beantwortet eure Fragen aus unserem Instagram-Q&A.

Hallo Erkan, das Wichtigste zuerst: Warum hast du dich entschieden, Bundespolizist zu werden?

„Ich hatte schon immer den Kindheitstraum, Polizist zu werden. Nach meinem Schulabschluss im Jahr 2007 war ich bei einem Berufsinformationstag des Arbeitsamtes in Nürnberg, wo sich unter anderem auch die Bundespolizei vorgestellt hat. Ich habe mich dann sowohl bei der Bundes- als auch bei der Landespolizei beworben. Letztendlich haben mich aber vor allem die Heilfürsorge, die besseren Aufstiegsmöglichkeiten und die bessere Besoldung bei der Bundespolizei überzeugt.“

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Nach deiner Ausbildung in Oerlenbach bist du 2011 nach München gekommen. Hattest du Mitspracherecht bei der Wahl deines Arbeitsortes?

„Ja, im letzten halben Jahr der Ausbildung haben wir eine Liste bekommen, welche Standorte, wie viele Stellen frei haben. Die meisten freien Stellen gibt es in der Regel in den Schwerpunktbereichen am Flughafen Frankfurt/Main, München, Stuttgart und Sankt Augustin. Ich wollte gerne in der Nähe meiner Heimatstadt Nürnberg bleiben und habe mich deswegen für München und den Hauptbahnhof beworben.“

Am Bahnhof arbeitet ihr in drei Schichten. Wie beginnt bei dir ein typischer Arbeitstag?

„Also, als erstes fahre ich zur Dienststelle am Münchner Hauptbahnhof, lade meine Waffe, begrüße die Kollegen und dann schaue ich auf den Streifenplan. Er gibt Auskunft darüber, wer mit wem für die Streife eingeteilt ist, an welchem Bahnhof ich eingesetzt bin oder ob ich mit einer motorisierten Streife alle S-Bahn-Haltepunkte abfahren werde. Meistens beginnt der Dienst dann damit, dass ich Sachbearbeitungen aus vorherigen Schichten zu Ende bringe und auf den ersten Einsatz warte, der bei einem so großen Bahnhof, wie dem Münchener Hauptbahnhof, sehr schnell kommen kann.“

In deinem Job arbeitest du eng mit deinen Kollegen zusammen und bist in bestimmten Situationen auf ihre Rückendeckung angewiesen. Wie ist die Atmosphäre in eurem Team?

„Das Teamgefühl ist sehr positiv. Es gibt Tage und Wochen, da sehe ich meine Kollegen mehr als meine eigene Familie. Wenn man viele Stunden am Tag zusammenarbeitet, dann ist es ganz normal, dass aus Kollegen auch Freunde werden. Man hat die gleiche Denkweise, ist mit dem Job gewachsen und aufeinander angewiesen. Wenn wir im Bahnhof oder draußen auf Streife unterwegs sind, ist es die oberste Priorität, dass man sich gegenseitig vertraut.“

Aufgrund deines Namens haben einige User geschlossen, dass du Migrationshintergrund hast. Hat diese Tatsache Einfluss auf deine Arbeit bei der Polizei?

„Es gibt manchmal Situationen, da werde ich von Passanten direkt angesprochen mit: ‚Hey, du bist doch Türke’ oder ‚Hey, du bist doch Araber’. Die überwiegende Mehrheit freut es, dass ich als Türke bei der deutschen Polizei arbeite. Das ist etwas, was man sich vor fünfzehn Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Und die Tendenz ist steigend. Wenn ich das mit Freunden vergleiche, die in anderen Berufen arbeiten, ist die Bundespolizei wirklich ein Top-Arbeitgeber. Toleranz ist bei uns das A und O! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass meine Anwesenheit zum Teil eine beruhigende Wirkung hat. Wenn meine Kollegen mit jemandem auf kommunikativer Ebene nicht weiterkommen, dann werde ich meistens herangezogen. Mein Gegenüber sieht dann: Da ist einer, der spricht meine Sprache und versteht mich.“

Gab es einen besonderen Fall, der dir im Gedächtnis geblieben ist und den du mit uns teilen willst?

„Im Gedächtnis bleiben natürlich immer die besonders schönen, aber auch die besonders traurigen Fälle. So kommt es ab und zu vor, dass wir zum Einsatz wegen eines Suizides gerufen werden. Das sind die schrecklichen Momente, die man zwar verkraftet, deren Bilder aber schon ein paar Tage im Kopf bleiben. Es gibt aber auch lustige Situationen, wie dieses Jahr auf dem Oktoberfest. Da waren wir an der S-Bahn-Haltestelle Hackerbrücke eingeteilt. Die Arbeit macht gleich noch ein bisschen mehr Spaß, wenn die Wiesnbesucher mit uns ein Tänzchen machen wollen. Toll sind auch die Einsätze, zum Beispiel, wenn wir mit Hilfe der Fliegerstaffel nach Graffiti-Sprühern jagen. Wir sitzen dann entweder selber mit im Hubschrauber oder fahren mit dem Einsatzwagen auf der Straße und lassen uns vom Hubschrauber lotsen.“

Hast du mal eine Art Glücksmoment gehabt?

„Wir haben sehr oft den Fall, dass Eltern am Hauptbahnhof ihre Kinder vermissen. Wir müssen dann schauen, wie wir Kind und Eltern wieder zusammenbringen und dafür auch andere Behörden, wie die Landespolizei einschalten. Wenn wir es dann am Ende schaffen, ist das schon eine Art Glücksmoment für mich. Man muss sich nur mal vorstellen, das eigene Kind ginge verloren.“

Am Bahnhof herrscht ja manchmal auch ein etwas rauerer Ton. Einige User wollen daher wissen, wie du mit Respektlosigkeit umgehst.

„Das kommt immer ganz darauf an. Wenn mich einer nur anpöbelt, dann ignoriere ich das. Das höre ich tagtäglich, so wie meine anderen Kollegen auch. Wenn mich jemand beleidigt, kommt es darauf an, was derjenige genau sagt, ob er es wiederholt und wie sein Zustand war. Bei jemandem, der extrem alkoholisiert ist, sehe ich auch schon mal drüber hinweg. Ist die Person bei vollem Bewusstsein, dann erstatten wir auch Anzeige.“

Letzte Frage: Was ist dein ultimativer Tipp für das Auswahlverfahren?

„Ich kann nur jedem die Bücher zum Testtraining empfehlen. Die sind super, um sich auf den schriftlichen und logischen Teil des Auswahlverfahrens vorzubereiten. Für das persönliche Gespräch ist mein Tipp: Natürlich bleiben und sich nicht verstellen. Dass man nervös ist, ist vollkommen normal.“

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