Bahnpolizei

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Nächster Halt Sicherheit: Der bahnpolizeiliche Aufgabenbereich der Bundespolizei
„Wir haben die Chance, etwas zu bewegen“

Seit vier Jahren arbeitet Ulrike nun schon im bahnpolizeilichen Aufgabenbereich als Angehörige der Bundespolizeiinspektion Hamburg. Die junge Frau hat in dieser Zeit vor allem eines gelernt: „Immer wieder neue, auch schwierige Situationen zu meistern.“ Sie ist an verschiedenen Bahnhöfen und Haltepunkten in ihrem Zuständigkeitsbereich im Einsatz – geht mit Kollegen auf Streife, hilft Reisenden, weist auf Gefahren hin oder verhindert, dass jemand zu Schaden kommt. Ihr Job hat viele Gesichter und erzählt viele Geschichten: Ein anderer kommt für die 26-Jährige deshalb nicht in Frage.

Hilfe jederzeit, für jedermann

„Für mich ist meine Arbeit ein sehr sozialer Job“, sagt Ulrike und hebt den Umgang mit Menschen hervor. Sie hilft Reisenden in der Not oder trifft Maßnahmen bei Bahnbetriebsunfällen.

Ulrike

Sie steht Kindern bei, die ihre Eltern suchen und sorgt für Sicherheit, bei der Anreise zu Veranstaltungen. Sie spricht aber auch von Jugendlichen, die von zu Hause weggelaufen sind oder von Obdachlosen und Drogenabhängigen, die sie im Bahnhof antrifft. Wenn sie die Möglichkeit hat, sucht die Mecklenburgerin den Dialog: „Als Polizistin habe ich zumindest im Ansatz die Chance, etwas in den Köpfen zu bewegen.“

 

Stark im Team

Ob bei der Frühschicht am Hauptbahnhof oder der Spätschicht an der Reeperbahn: Ulrike geht nur im Team auf Streife. Dabei ist sie stets wachsam, um brenzlige Situationen schnell zu erkennen – und zu handeln. Für ihren Einsatz ist die Polizistin gut gewappnet: Sie und ihre Kollegen werden regelmäßig in Situationstrainings geschult. Im täglichen Einsatz tragen die Beamten eine Schutzweste, ein Reizstoffsprühgerät, einen Schlagstock und eine Pistole. Zum Einsatz kommen diese Waffen jedoch nur selten – „und nur, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Unsere wichtigsten "Waffen" sind Worte“, betont die junge Frau.

Die Bahn und ihre Leute kennen

Strafverfolgung und Streifengänge sind im bahnpolizeilichen Aufgabenbereich längst nicht alles. Neben Achtsamkeit und guter Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und manchmal auch starken Nerven, ist bei der bahnpolizeilichen Aufgabenwahrnehmung auch Betriebswissen gefragt. Mit welchen Eisenbahnverkehrsunternehmen habe ich zu tun? Wie funktioniert der Bahnbetrieb? Wen muss man im Notfall anrufen? Sind Personen im Gleisbereich, so dass der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn informiert werden oder der Lokführer direkt gewarnt werden muss? Manchmal sind Züge schnell umzuleiten, Strecken zu sperren oder Lautsprecherdurchsagen zu initiieren. Auch deshalb betont Ulrike: „Wegen all dieser Herausforderungen wollte ich zur Bundespolizei – und jetzt will ich nicht mehr weg.“

Der Spagat zwischen Familie und Beruf

Es ist nicht immer einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Als Bundespolizistin und Mutter arbeitet Ulrike 30 Stunden pro Woche in Teilzeit, sodass sie neben der Arbeit auch Zeit findet, sich um ihre Familie, insbesondere um ihre kleine Tochter zu kümmern. Ulrike sagt selbst: "Ich kann meine Arbeitszeit so einteilen, dass sich Beruf und Familie optimal vereinbaren lassen." Nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit hat sie ihren Dienstplan in Abstimmung mit ihren Vorgesetzen so anpassen können, dass sie ihre Freizeit mit ihrer Familie besser nutzen kann. "So bin ich einerseits einer festen Dienstgruppe zugeordnet und bleibe Teil der Gemeinschaft, andererseits bleibt mir die Zeit mit meiner Familie erhalten", ergänzt Ulrike.

Ulrike Freitag mit Kind

Ulrike mit ihrer Tochter

Wenn sie mal nicht zum Dienst erscheinen kann, weil ihre Tochter krank ist, stößt sie auf Verständnis ihrer Vorgesetzten und kann die Kleine mit ruhigem Gewissen zu Hause gesundpflegen. "Man tauscht sich mit seinen Vorgesetzten aus und findet gemeinsam Lösungen – auch bei ganz alltäglichen Problemen", erklärt sie weiter.

Nach der Geburt ihrer Tochter hatte Ulrike die Möglichkeit, für bis zu drei Jahre zu Hause zu bleiben und konnte in die Elternzeit gehen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass sie danach nicht wieder dort einsteigen kann, wo sie aufgehört hat – hinsichtlich ihrer Qualifikation und Aufgaben. Im Gegenteil: Trotz der ca. 1,5 Jahre Elternzeit und Teilzeitarbeit kann Ulrike nun wieder Führungsverantwortung übernehmen. "Dies macht mir Spaß und entspricht meinen Karrierevorstellungen", sagt sie.

Für das erste Schuljahr ihrer Tochter plant Ulrike in Abstimmung mit ihrem Arbeitgeber eine einjährige Auszeit vom Beruf. So kann sie sich in ihrer freien Zeit allen neuen Herausforderungen in ihrem Familienleben widmen, denn Ulrike findet: "Wenn ich zu Hause zufrieden bin, kann ich dies auch beruflich sein und umgekehrt".


Der bahnpolizeiliche Aufgabenbereich im Überblick

Die Bundespolizei hat die Aufgabe, Gefahren auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahnen des Bundes abzuwehren. Dabei geht es zum einen um Risiken, die die Benutzer, die Anlagen oder den Betrieb der Bahn betreffen. Zum anderen um Gefahren, die beim Betrieb der Bahn entstehen oder von den Bahnanlagen selbst ausgehen. So setzt sich die Bundespolizei zum Beispiel mit gezielter Streifentätigkeit und Fahndung für die Sicherheit auf besonders kriminalitätsgefährdeten Streckenabschnitten des Personennahverkehrs ein. In ihren Aufgabenbereich fallen aber auch Maßnahmen der Strafverfolgung, wie etwa gegen Vandalismus oder Diebstahl und Körperverletzung. Die Beamten der Bundespolizei sind außerdem im Rahmen von Großveranstaltungen wie Fußballspielen auf Bahnhöfen und in Zügen im Einsatz – damit alle Reisenden sicher ans Ziel kommen. Insgesamt erstreckt sich die Zuständigkeit der Bundespolizei auf ein etwa 34.000 Kilometer langes Streckennetz mit ungefähr 5.700 Bahnhöfen.