Internationale Aufgaben

Internationale Aufgaben

Botschafter in Uniform: Internationale Aufgaben
„Es ist wie ein Virus“

Sie bilden Polizeibeamte in Afghanistan aus, stabilisieren den Rechtsstaat im Kosovo oder machen einen südsudanesischen Flughafen sicherer: Weit über 100 Beamte der Bundespolizei sind derzeit an internationalen Missionen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen beteiligt. Einer von denen, die immer wieder alles hinter sich lassen, um im Ausland für Frieden und Stabilität zu sorgen, ist Mike. Der 44-Jährige war gerade ein ganzes Jahr lang in der Ukraine und in Moldawien im Einsatz, um die einheimischen Beamten an einen europäischen Standard heranzuführen und bei der Umsetzung zu unterstützen. Im Interview erzählt der gebürtige Kasseler, warum es ihn immer wieder in die Ferne zieht – und welche Eigenschaften ein „Botschafter in Uniform“ mitbringen sollte.

Mike, seit 2008 beteiligst du dich an internationalen Missionen. Welche Erfahrung hat dich am meisten beeindruckt?

Auf jeden Fall meine Zeit in Saudi-Arabien. Neun andere Bundespolizisten und ich haben die saudischen Offiziere fünf Monate lang in den Bereichen Einsatz- und Führungslehre

Mike

sowie in Erster Hilfe unterrichtet. Ziel war es, den dortigen Grenzschutz zu beraten, denn dieser steht vor einer ganz besonderen Herausforderung. Die Grenzen dort sind fließend: Manche Stämme ziehen mit ihren Herden ständig zwischen Jordanien, Irak und Saudi-Arabien umher – ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Warum war dieser Einsatz so prägend für dich?

Vor allem wegen der Menschen dort. Die Araber und die Deutschen sind wirklich total unterschiedlich. Zum Beispiel muss man Kritik dort in viele Komplimente verpacken, sonst verliert der Betroffene das Gesicht. Zuhause würde ich einfach sagen „Das war nicht so toll, mach das bitte noch mal anders“. In Saudi-Arabien bräuchte ich nach so einem Satz gar nicht mehr wiederkommen. Als Trainer erfordert das unheimlich viel Fingerspitzengefühl und die richtige Mischung aus Gelassenheit und Disziplin. Aber die Mühe lohnt sich: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Araber sehr begeisterungsfähig und lernfähig sind und sich freuen, etwas Neues zu lernen und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Als Ausbilder macht das natürlich riesigen Spaß, wenn man dann die Erfolge sieht.

Du bist immer wieder viele Monate von deiner Familie und deinen Freunden getrennt. Hast du gar kein Heimweh?

Am Anfang war es schon sehr schwer. Da fragt man sich dann oft: „Schaff ich das? Kann ich das? Wie wird die Familie reagieren?“ Wenn du diese Schwelle einmal überschritten hast, ist es wie ein Virus, der dich packt. Ich glaube: Nach dem ersten Einsatz gehst du entweder nie wieder „raus“ oder du hast schon nach ein paar Monaten zurück in der Heimat wieder Hummeln im Hintern. Ich habe das Glück, dass mein gesamtes Umfeld voll hinter mir steht und mich unterstützt – ohne diese feste „Homebase“, zu der ich immer wieder zurückkehren kann, ginge es natürlich nicht so einfach.

Was braucht man außer einem stabilen Umfeld noch, um internationale Aufgaben übernehmen zu können?

Für mich ganz wichtig: Weltoffenheit. Du musst von deinen Grundfesten auch mal ablassen können und andere Meinungen akzeptieren. Wenn du das nicht kannst, wirst du ganz sicher Schiffbruch erleiden.

Was ist das Beste an deinem Beruf?

Dazu kann ich eigentlich nur eines sagen: Ich bin jetzt 25 Jahre im Dienst. Und ich habe mich noch keinen Moment gelangweilt.


Internationale Aufgaben im Überblick

Die Internationalen Aufgaben der Bundespolizei sind vielfältig: Grenzpolizeiliche Unterstützungs- oder Verbindungsbeamte im Ausland, Hausordnungs- und Objektschutzdienst und Botschafterschutz an den deutschen Auslandsvertretungen und Dokumenten- und Visumberater an derzeit 27 Standorten weltweit. Zusätzlich wirken deutsche Polizeivollzugsbeamte an polizeilichen oder anderen nichtmilitärischen Aufgaben im Rahmen von internationalen Maßnahmen mit. Dies kann auf Ersuchen und unter Verantwortung der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union geschehen. Derzeit sind über 100 Beamte der Bundespolizei an 14 internationalen Missionen beteiligt – zum Beispiel im Sudan, im Kosovo und in Libyen. Mit Stand 1. November 2013 versehen insgesamt 506 Beamte ihren Dienst im Ausland.